Lob aus Lumpen (und Licht)

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In: Lob der deutschen Sprache.
Herausgegeben von Hans-Martin Gauger.
Valerio 9, S. 38, 2009
(Die Heftreihe der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung),
Wallstein Verlag, Göttingen 2009

Ralph Dutli


**Lob aus Lumpen (und Licht)


deutlich gestriegelt von irren Mottenschwärmen aus
Barockerotik Kompt, kompt zu meinem Lieb,
auff ihren Rosenmund
Der mir mein kranckes Hertz hat inniglich verwundt
Lobmix aus frischer Faser Flunker sanfter Verfluchung
& heiserem: Hier bin ich O-pitz-Fle-ming o Honigvögelein
es ist noch ein Abenteuer zu singen in Wortakzent
halbem Husten und Ballung und zartem Eis
also Sprachfrau (warum diese nicht)
was du mit ihr lallst liegt sie liest sie
auf dem weißen Laken
des Blattes keine beschönigende Erinnerung
aber dass die Seele
(ein Krummhorn und keiner weiß es)
dröhnt und stöhnt und knarzt hüllt sie ein verhüllt!
bis sie sich kennt
aber Welche auf deutsch! Vorfreude! Ausflug! Liebste:
das schmeichelnde Faseln des Glücks
das Öl der langen Tage der liebenden Gelenke
wenn die Laute denken aber: Leise!

Das Lied das selbstlos ist ist selbst sein Lob
beweg dich weg von ihr fall in sie
in ihr Nadelöhr aus Nichts
aus rosigem heiserem Plunder
ich liebe dein Schamgefühl den Sperrmüll den Stabreim
ich liebe das Lichtjahr das lallende schmerzende
das Lufthemd im L: Lippen-Leben-Laben o Louize!
und eine schnarrende Einladung aus Flucht und Leichtblut
denn soviel Herz – sagt sie – war auch im Harz