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Auch nach der Oktoberrevolution
blieb Ossip Mandelstam Europäer - bei größter
persönlicher Gefährdung und bis zu seinem Tod
1938 im sibirischen Lager. Er entwirft in seinem Werk -
nur poetische Utopie? - ein Europa der Ethik und der Menschenwürde,
des Individuellen und Anti-Totalitären, ein Europa
der Einigkeit und der kulturellen Vielfalt.
Uraltes, weit in die Antike reichendes kulturelles Gedächtnis
und paradox dazu jugendliche Frische prägen Mandelstams
Europa-Bild. Die Betonung von Europas Jugendlichkeit versteht
sich als Gegenposition zu Oswald Spenglers „Untergang
des Abendlandes“. In einem Gedicht auf den europäischen
Ursprungsmythos – Zeus’ Entführung der phönizischen
Prinzessin Europa nach Kreta - beschwört Mandelstam
„Europas zarte Hände“, die er mit aller Fülle
beschenkt.
Inhalt:
Acht Essays über Mandelstam und Ovid, Alexander Puschkin,
Andrej Belyj, François Villon; über Mandelstams
Georgien-Mythos und die Liebeslyrik, seine Europa-Idee und
- als Nachtrag - über seine kritische Beziehung zur
Schweiz.
„Ralph Dutli tastet sich lustvoll und leichtfüßig,
Wort für Wort in Mandelstams poetischem Labyrinth vor...
Seine Interpretationen sind Feinstarbeit.“
Helga Leiprecht,
DIE WELTWOCHE
„Ich habe selten ein so schönes Essay
wie Ihres über Europas zarte Hände gelesen, auf
deutsch schon gar nicht: in dieser konzisen Klarheit und
sprachlichen Leichtigkeit, der die Übersetzungen nicht
nachstehen, ein genau ausgelegtes Mosaik.“
Raoul Schrott, Brief an den
Autor
„Sie haben mir eine so große Freude bereitet
mit Ihrem Büchlein, daß ich Ihnen am liebsten
noch aus dem Fernen Osten geschrieben hätte, so dankbar
war ich Ihnen dafür. Können Sie glauben, daß
dieser kleine, weiße Essayband mich nicht nur nach
Japan begleitet hat, sondern daselbst auch mein wichtigstes
Refugium war vor der einstürmenden Fremde?“
Durs Grünbein, Brief
an den Autor
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