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Zu Ossip Mandelstams 100. Geburtstag
am 15. Januar 1991 möchte der Autor den Leser zu einem
symbolischen Geburtstagsmahl bitten, zu dem kein anderer
als Ossip Mandelstam selber Speise und Trank beisteuern
wird. Was sich aus Mandelstams Werk zum Thema Essen und
Trinken beibringen läßt, überschreitet ständig
die Grenzen des Anekdotischen und Witzig-Alltäglichen
und führt ins Zentrum seiner Poesie, die sich als Hinwendung
zum Leben versteht, als Feier des Diesseitigen, Irdischen,
Nahr- und Schmackhaften.
Was immer wieder überrascht, ist die Fähigkeit
dieses vom Leben durch Verfolgung, Verhaftungen, Deportation,
bis zum Tod im Zwangsarbeiterlager geschundenen russischen
Dichters, noch dem Kleinsten und Unscheinbarsten Poesie
und Humor abzugewinnen, noch die kleinste Mahlzeit zu feiern,
noch im Krümel das Ganze zu ahnen, die Fülle.
„Hat es das je gegeben, einen kleinen, klugen Essay,
der auf vier Seiten eines alphabetischen Registers die Speisen
und Getränke sammelt, von denen auf den 125 Seiten
vorher die Rede ist? Auf den Lese-Tisch, der hier auch Eß-Tisch
sein kann, und umgekehrt, kommt uns eines der seltsamsten
Bücher, die man sich denken kann.
Es redet - scheinbar - nur vom Essen, vom Trinken, vom Schmausen
und Saufen, und entführt uns doch ins Paradies der
Poesie. Ein anmutig leichter, tiefsinniger Einführungsband
zu einem der großen Dichter der Zeit.“
Rolf Michaelis, Die Zeit
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